RecyclingMonitor

Briefing Kontrakte / Wertstoffzuordnung

← Zurück zum Prototyp „Kontrakte / Wertstoffzuordnung“ Übersicht
Zusatz-Briefing zu den QA-Tickets

Kontraktmodul und Wertstoffzuordnung: worum es aus Kundensicht geht

Die QA-Tickets beschreiben, was geprüft wird. Dieses Dokument erklärt, warum es das Modul gibt, wo der Kunde damit arbeitet und welche Alltagssituationen am Ende funktionieren müssen.

Grundlage: Kundengespräche aus der Entsorgungslogistik · Stand August 2026
01

Das Problem, das wir lösen

Heute lebt das Wissen über die Entsorgungssituation an drei getrennten Orten: die Konditionen als PDF-Verträge in Ordnern und SharePoints, die Zuordnungen (welcher Partner holt welche Fraktion an welchem Standort) in Excel-Exporten aus SAP, und Behälter samt Rhythmen in einem weiteren System oder im Kopf der Mitarbeiter.

Niemand kann verlässlich in einem Schritt beantworten: Wer holt an Standort A012 den Restmüll ab, in welchem Behälter, wie oft, zu welchen Bedingungen? Die Folgen im Alltag sind Rückfragen bei Märkten, Doppelbeauftragungen, Rechnungen ohne Prüfgrundlage — und bei jedem Vertragswechsel Handarbeit über hunderte Zeilen.

Der Kontrakt ist das verzahnende Element: Er führt Partner, Geltungsbereich, Wertstoffe und Bedingungen an einer Stelle zusammen, und aus ihm entsteht die Wertstoffzuordnung. Alles, was später darauf aufbaut — Beauftragung, Freigaben, Rechnungsprüfung, Gutschriftverfahren — braucht diese eine belastbare Basis.

Leitsatz

Ohne eindeutige Zuordnung keine korrekte Abrechnung.

Deshalb kommt in diesem Schritt die Struktur zuerst und das Geld später. Der Kunde bekommt zunächst Transparenz und Pflegbarkeit — nicht Automatisierung.

02

Die Regel, die alles zusammenhält

Invariante

Standort (oder Standortgruppe) + Wertstoff + Zeitraum → genau ein Dienstleister.

Diese Eindeutigkeit ist der Kern des Moduls. Sie verhindert Doppelbeauftragung und macht später jede Rechnungsposition zuordenbar. Braucht ein Standort für dieselbe AVV zwei Partner, wird das über einen eigenen Wertstoff aufgelöst — nie über eine zweite konkurrierende Zuordnung.

Daraus folgt der zweite Grundsatz: Im Regelfall ist die Wertstoffzuordnung ein Ergebnis, kein Eingabeort. Sie entsteht aus dem Kontrakt. Zeilen, die aus einem Kontrakt stammen, werden im Kontrakt geändert — nicht in der Zuordnung.

Zugleich bleibt die direkte Zuordnung ohne Kontrakt möglich — nicht jeder Kunde arbeitet mit Kontrakten. Bei großen Filialkunden wird dieser Weg perspektivisch über das Rechtemanagement abgeschaltet, weil dort alles über Kontrakte laufen soll; andere Kunden brauchen ihn dauerhaft.

Kontraktsicht und Standortansicht sind zwei Türen auf dieselben Daten, keine zwei Datenbestände. Die Kontraktsicht ist die Perspektive des Konditionsmanagements (ein Partner, viele Standorte), die Standortansicht die des operativen Alltags (ein Standort, viele Partner).

QA 17 · Contract rows appear in „Wertstoff Zuordnung"  ·  QA 18 · Conflicts: an existing assignment is never overwritten
Daraus folgt fürs Testing

Die Herkunft jeder Zuordnungszeile muss erkennbar sein.

Weil beide Wege existieren, ist die entscheidende Eigenschaft nicht „Kontrakt erzwingen", sondern Transparenz: Der Nutzer muss auf einen Blick sehen, ob eine Zeile aus einem Kontrakt stammt oder direkt angelegt wurde — und daraus ableiten, wo er sie ändern kann. Ohne diese Kennzeichnung sucht er an der falschen Stelle.

03

Was im ersten Schritt zählt

Für den Start beim Erstkunden sind genau drei Dinge elementar. Wenn diese drei sauber funktionieren, ist der erste Meilenstein erreicht — alles andere darf leer bleiben:

  1. Kontrakt anlegen und Firma zuordnen — Vertragspartner, Laufzeit, Status.
  2. Geltungsbereich zuordnen — einzelne Standorte und Standortgruppen, mehrfach auswählbar.
  3. Wertstoffe zuordnen — aus dem AVV-Katalog oder als eigener Wertstoff.

Nicht erforderlich im ersten Schritt: Preise, Dienstleistungen, Dokumentenfluss, Konditionen. Ein leeres Preisfeld ist kein Fehler, sondern 0.

Eigene Wertstoffe sind Pflicht, nicht Komfort. Für Gefahrstoff und Sperrmüll ist die AVV-Nummer im Moment der Zuordnung nicht bekannt — sie steht erst später auf der Abrechnung. Der Kunde muss trotzdem zuordnen können, über einen eigenen Wertstoff ohne AVV-Bezug. Das ist kein Sonderfall, sondern Regelbetrieb. Zugeordnet wird immer auf Ebene Wertstoff, nie auf Ebene Kategorie; Kategorien dienen der Auswertung.

04

Bekannte Lücke: Suche über die Standort-ID

Der Fachbereich findet Standorte im Alltag nur über die Standort-ID — eine kurze alphanumerische Nummer wie A012 oder B07C. Nicht über den Namen, nicht über den Ort. Wörtlich aus einem Kundentermin: „we never find the correct locations without the ID."

Status: noch nicht umgesetzt — und für den Start auch nicht kritisch. Solange die Daten über die Schnittstelle kommen, wird kaum von Hand gesucht. Perspektivisch ist es aber ein echter Betriebsfaktor: Sobald Mitarbeiter im Tagesgeschäft selbst Standorte auswählen und nachschlagen, muss die externe ID such- und sichtbar sein — im Geltungsbereich des Kontrakts, in der Standortauswahl, in der Standortansicht und in der Turnusliste. Kein Blocker, aber bitte beim Weiterbauen mitdenken, damit es später kein Umbau wird.

05

Was der Nutzer wiederfinden muss

Heute arbeitet der Fachbereich mit einem Excel-Export aus dem Altsystem (SAP) — den Stammdaten der Filialentsorgung. Diese eine Tabelle wird künftig durch drei Ansichten ersetzt. Die Nutzer akzeptieren eine andere Optik — aber jede Information muss wiederauffindbar sein. Das ist der Maßstab, an dem der Fachbereich das Modul beurteilen wird.

Spalte in der SAP-TabelleKünftig im RecyclingMonitor
BtrbStandort — als externe Standort-ID, perspektivisch such- und sichtbar
EntsorgungsdienstleisterVertragspartner am Kontrakt
Ort BtrbStandort (Ort und Adresse)
EntsorgerFeld Entsorger — leer bedeutet: gleich Vertragspartner
Fraktion / UnterfraktionWertstoff — bei Bedarf eigener Wertstoff ohne AVV
Anzahl BehälterContainer am Standort: aus „2" entstehen zwei Container
Behältergröße, MengeneinheitContainer: Typ, Attribut, Volumen
TurnusZyklus am Container — oder „auf Abruf"
Notizentfällt bewusst — der Kunde will das Freitextfeld loswerden
Alltagssicht Fachbereich

Standortansicht

Ein Standort, und daran alles: Wertstoffzuordnungen, Container, Zyklen. Von hier wird nachgeschlagen und in die Detailmasken abgesprungen. Die häufigste Interaktion überhaupt.

Disposition

Turnusübersicht

Alle Wiederholungen auf einen Blick: welcher Container wird an welchem Standort wann abgeholt. Der Kunde legt Turni an und will sie gesamthaft prüfen können.

Konditionsmanagement

Kontraktübersicht

Die Partnerperspektive: welcher Partner, welcher Geltungsbereich, welche Wertstoffe, welche Konditionen — und wann läuft der Vertrag aus.

06

Die Alltagssituationen

Diese sechs Fälle machen den Großteil der täglichen Arbeit aus. Sie sind der eigentliche Prüfmaßstab: Wenn sie flüssig durchlaufen, trägt das Modul.

UC 1

Ausschreibung gewonnen — Kontrakt für eine Region

Auslöser
Ein Partner erhält den Zuschlag für 80 Standorte.
Nutzer tut
Kontrakt anlegen, Partner wählen, Laufzeit setzen, Standortgruppen in den Geltungsbereich aufnehmen, Wertstoffe ergänzen.
System muss
Alle betroffenen Zuordnungen daraus erzeugen und Überschneidungen mit bestehenden Kontrakten erkennen und verhindern.
QA 02 · QA 03 · QA 06
UC 2

„Wer holt hier eigentlich was ab?"

Auslöser
Ein Standort meldet sich oder reklamiert eine ausgebliebene Abholung.
Nutzer tut
Standort über die Standort-ID suchen und ablesen: Fraktionen, Partner, Behälter, Zyklus.
System muss
Das in einer Ansicht zeigen — ohne Modulwechsel. Genau hier scheiterte das Altsystem: drei Module für eine Frage.
QA 17
UC 3

Standort möchte einen anderen Rhythmus

Auslöser
„Wir brauchen nur noch alle zwei Wochen, dafür eine größere Tonne."
Nutzer tut
Aus der Standortansicht zum Container springen, Behälter und Zyklus ändern.
System muss
Den Zyklus am Container führen, nicht im Kontrakt — Wochentage ändern sich häufig und sind teils gar nicht verlässlich bekannt. Der Preis bleibt unberührt.
UC 4

Dienstleister an einem Standort wechseln

Auslöser
Der Partner performt an einem einzelnen Standort nicht.
Nutzer tut
Für genau diese Relation (Standort × Fraktion) auf einen anderen Partner umstellen, mit Gültig-ab.
System muss
Nur diese Relation ändern, alles andere unberührt lassen, die alte Zuordnung historisch erhalten und die Eindeutigkeit über den Stichtag hinweg sichern.
QA 20 · QA 19
UC 5

Kommunaler Betrieb als Vertragspartner, Entsorgung durch Dritte

Auslöser
Ein kommunaler Abfallwirtschaftsbetrieb — etwa AWM München — ist Vertragspartner. Die Abholung führt aber ein anderes Unternehmen aus. Konditionen gibt es nicht, nur Gebührenbescheide.
Nutzer tut
Kontrakt auf den kommunalen Betrieb anlegen, Preispflicht ausschalten (Preis 0). Ist der ausführende Entsorger bekannt, wird er im Feld Entsorger hinterlegt — sonst bleibt es leer.
System muss
Vertragspartner und Entsorger trennen können: Rechnung und Zuständigkeit laufen über den kommunalen Betrieb, gefahren wird von einem Dritten. Bleibt das Feld leer, greift der Vertragspartner als Fallback — keine Platzhalterwerte, die später falsch sind. Und 0 muss zulässig und von „leer" unterscheidbar sein.
QA 24 · QA 28
UC 6

Neuer Standort eröffnet

Auslöser
Ein neuer Standort kommt dazu und soll vom bestehenden Partner bedient werden.
Nutzer tut
Den Standort im Geltungsbereich des bestehenden Kontrakts ergänzen.
System muss
Das ohne neuen Kontrakt erlauben — der Geltungsbereich ist beweglich, mit Ein- und Austrittsdatum.
QA 03 · QA 26
07

Spielregeln, die im Test sichtbar werden müssen

08

Bewusst nicht in diesem Schritt

Diese Themen sind nicht vergessen, sondern verschoben — damit der erste Schritt schlank bleibt und der Kunde früh testen kann:

Preise als Pflichtfeld Börsenkopplung EUWID / BDSV Gutschriftverfahren Freigaben-Erzeugung automatische Rechnungsprüfung Kombiabholung Stoffstrom-Auswertung Notizfeld

Wichtig: Das Datenmodell hält diese Themen offen. Der Dokumentenfluss je Position ist bereits angelegt, damit der Umstieg auf Gutschriften später partnerweise oder wertstoffweise möglich ist — ohne Big Bang. Genau das hat der Kunde im Termin positiv hervorgehoben.

09

Prüfmaßstab: die Kundenbrille

Drei Fragen an jedes QA-Ticket, zusätzlich zur Feldprüfung:

  1. Kann ein Mitarbeiter, der nur die Standort-ID kennt, in unter einer Minute sehen, wer dort welche Fraktion abholt — mit Behälter und Rhythmus?
  2. Bleibt die Zuordnung eindeutig, wenn zwei Kontrakte denselben Standort und dieselbe AVV beanspruchen?
  3. Findet der Nutzer jede Information wieder, die er vorher in seiner Excel-Tabelle hatte?

Endet eine dieser Fragen mit Nein, ist das Ticket technisch grün und fachlich rot.